Der Naturschutzpreis 2016 geht an die Agrico Birsmattehof, Therwil

Dienstag, 26.1.2016

 

Seit 31 Jahre verleiht Pro Natura Baselland den Naturschutzpreis an Personen und Institutionen, die sich in besonderer Weise um den Naturschutz im Baselbiet verdient gemacht haben. Dieses Jahr geht der Preis an eine Genossenschaft, welche seit 35 Jahren intensiv, aber ökologisch Gemüse für die Region produziert.  

 

Den Naturschutzverbänden wird zuweilen vorgeworfen, sie hätten in der Landschaft am liebsten bloss noch Blumenwiesen, Hecken und gurgelnde Wiesenbächlein. Die Produktion von Nahrungsmitteln hingegen sei zweitrangig. An der Naturschutzpreisverleihung wehrte sich Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, gegen dieses Vorurteil. Das Ziel sei, auf 15 Prozent der Landwirtschaftsfläche der Natur den Vorrang zu geben. Auf den restlichen 85 Prozent stehe jedoch die Produktion im Vordergrund – die Produktion von gesunden und naturnah produzierten Nahrungsmitteln in einer intakten Umwelt.  Und seine Präsidentin Mirjam Würth ergänzte, dass die lokale, saisonale und ökologische Produktion von Nahrungsmitteln konkreter Naturschutz sei. Je mehr Menschen mit lokalem Gemüse versorgt werden können, umso grösser ist unter dem Strich der Schutz von Natur und Umwelt.

Und die Agrico als zweitälteste und grösste Produktionsgenossenschaft der Scheiz leistet tatsächlich einen wesentlichen Anteil an die Versorgung der Region mit Bio-Gemüse. Wöchentlich werden rund 2000 Gemüsepakete ausgeliefert. Und sie will weiterwachsen. Für 2020 sind über 4000 Gemüsepakete geplant, dies nicht zuletzt dank der Übernahme von Land im benachbarten Deutschland. Die Agrico hat sich in ihrer 35-jährigen Geschichte von der basisdemokratischen Genossenschaft zum modernen Produktionsbetrieb entwickelt. Dies ging nicht ohne heftige Diskussionen und Kompromisse zur reinen Lehre der Solidarischen Landwirtschaft. Aber die Agrico Birsmattehof blieb ihren ökologischen Grundsätzen trotzdem weitgehend treu und ist bemüht, auf dem Betrieb einen geschlossenen Nährstoffkreislauf zu gewährleisten.

 

Neben der Produktion von Lebensmittel reservierte die Agrico immer auch Flächen für den Naturschutz und die Biodiversitätsförderung. Treibende Kraft dafür war Lukas Merkelbach mit seiner Arbeitsgruppe "Fäldgrille". Bestehende Hecken wurden gepflegt, neue Hecken angepflanzt, daneben Buntbrachen und Blumenwiesen angelegt. Auf ungenutzten Säumen wurden seltene Ackerkräuter wie die Kornblume, die Kornrade und die Ranken-Platterbse angesät. Für ihren mustergültigen Einsatz wurde die Arbeitsgruppe "Fäldgrille" im Jahr 2002 mit dem von der Vogelwarte Sempach gestifteten Anerkennungspreis "Goldene Lerche" ausgezeichnet.

Nach dieser Ehrung ruhte sich die "Fäldgrille" jedoch nicht auf den Lorbeeren aus, sondern schaffte in guter Zusammenarbeit mit dem Hofteam, den Genossenschafterinnen und Genossenschaftern sowie dem lokalen Naturschutzverein weitere Naturwerte. So wurde als Kompensation für das Gewächshaus 2003 ein rund 1 ha grosses Feuchtgebiet erstellt. Die beiden prächtigen Weiher wurden mit mehreren kleineren Tümpeln ergänzt. Dieses Jahr wird ein ablassbarer Folienweiher dazu kommen, speziell ausgelegt auf die Bedürfnisse der stark gefährdeten Kreuzkröte.

Viel Platz wurde auch dem Birsig gewährt. Auf rund 520 Meter Länge darf er weitgehend unverbaut durch ein naturnahes, strukturiertes Ufergehölz fliessen. Beidseitig wird ein sechs Meter breiter Uferstreifen als Krautsaum gepflegt. In den nächsten Wochen wird die nächste Aufwertungsmassnahme umgesetzt: eine alte Drainage Leitung wird auf rund 350 m geöffnet und naturnah gestaltet. Gabriela Schmidt als Präsidentin des Basellandschaftlichen Natur- und Vogelschutzverbandes bestätigte in ihren Grussworten, dass der Birsmattehof dank seiner vielfältigen Landschaft und den Naturwerten längst zum Geheimtipp unter Ornithologen für Beobachtungen seltener und gefährdeter Vogelarten geworden sei.

Der Naturschutzpreis besteht aus einer Urkunde, einer öffentlichen Feier und einem Preisbaum. Dieser wird eine Stieleiche sein, welche als Ergänzung zu den zwei Dutzend Hochstammobst-bäumen diesen März anlässlich der Genossenschaftsversammlung gepflanzt wird.  Die stimmungsvolle Feier wurde vom Duo Accobella musikalisch aufgelockert.  Zum Abschluss wurden die zahlreichen und gut gelaunten Gäste mit einem Apéro aus Bio-Produkten verwöhnt.

 

Zurück