Waldweide Erzenbergrütene Sara Bangerter
Wald

Waldweide in der Erzenbergrütene

Die Erzenbergrütene wurde einst dem Wald abgerungen. Nachdem sich der Wald am schattigen Nordhang über Jahrzehnte wieder ausgebreitet hatte, hat Pro Natura gemeinsam mit dem Forstbetrieb Frenkentäler die Fläche gezielt ausgelichtet. Entstanden ist eine Waldweide, ein strukturreicher Lebensraum mit grossem Wert für die Biodiversität.

Die Erzenbergrütene erzählt ihre Geschichte bereits im Namen: Das Wort «reuten» bedeutet «roden». Vor langer Zeit wurde diese Fläche mit grossem Aufwand dem Wald abgerungen und vermutlich immer wieder offengehalten, damit sie nicht erneut verwaldete.

Trotzdem hat sich an diesem schattigen Nordhang der Wald seit den 1940er-Jahren immer mehr ausgebreitet. Gemeinsam mit dem Forstbetrieb Frenkentäler hat Pro Natura deshalb rund zwei Hektaren Wald gezielt ausgelichtet und damit die Grundlage für eine neue Waldweide geschaffen.

Waldweiden als Übergangslebensräume

Waldweiden bieten als Übergangslebensräume zwischen Wald und Offenland besonders viele Nischen für verschiedenste Arten. Zwischen dichteren Baumbeständen, Einzelbäumen, Gebüschen und Kleinstrukturen fühlen sich hier viele Tier- und Pflanzenarten zu Hause. Auf der Erzenbergrütene entspringt zudem eine kleine Quelle, welche das Gebiet zusätzlich bereichert.

Gefranster Enzian (Gentiana ciliata) Sara Bangerter
Der Gefranste Enzian (Gentiana ciliata) bietet Insekten im Spätsommer ein wichtiges Nektarangebot.

Wo vorher dichter Wald stand, finden wir heute zahlreiche Pflanzenarten mit einem reichen Blütenangebot für Insekten, Altholzstrukturen und Inseln mit dichter Vegetation rund um dornige Sträucher als Versteck für Amphibien und Kleinsäuger.

Waldweide Erzenbergruetene Sara Bangerter
Die Rinder schätzen den Schatten der Bäume. Sie sorgen dafür, dass junge Eschen und Buchen nicht Überhand nehmen.

Von dichtem Wald zur vielfältigen Waldweide

In der Erzenbergrütene wurde die Fläche 2025 zuerst stark ausgeholzt. Das dabei entstandene Schlagholz wurde von unseren Zivildienstleistenden zu Haufen geschichtet, sodass sich in der neu entstandenen offenen Fläche eine Gras- und Krautschicht entwickeln konnte.

Waldweide Erzenbergrütene Sara Bangerter
Nach der Auslichtung hat sich rasch eine Gras- und Krautschicht entwickelt, beste Bedingungen für die Rinder, die hier von Mai bis Oktober weiden.

Im Hinblick auf den Klimawandel erhalten nordexponierte Standorte wie die Erzenbergrütene immer mehr Bedeutung. Wenn es rundum heiss und trocken ist, finden hier viele Arten Zuflucht vor den Extrembedingungen. Die Waldweide in der Erzenbergrütene ist daher ein Pionierprojekt in der Schaffung von zukunftsfähigen Übergangslebensräumen zwischen Wald und Offenland.