Aufwertung von Stromtrassen
Neben dem Verlust von Lebensräumen zählt deren Fragmentierung zu den grössten Bedrohungen der Biodiversität. Kleine und isolierte Populationen haben ein stark erhöhtes Risiko auszusterben. Der eingeschränkte Austausch zwischen Teilpopulationen kann zu genetischer Verarmung führen und macht Arten anfälliger für Störungen wie Krankheiten oder extreme Umweltbedingungen.
Für den Erhalt und die Förderung der Biodiversität ist daher nicht nur die Schaffung neuer Lebensräume entscheidend, sondern insbesondere auch die Vernetzung bestehender Lebensräume. Stromtrassen bieten hierfür ein grosses, bislang wenig genutztes Potenzial.
Ökologisches Stromtrassen-Management
Die Hochspannungsleitungen der IWB überspannen die Juraketten und reichen von Bassecourt (JU) und Wangen an der Aare (BE) bis nach Binningen und Therwil. Sie führen über zahlreiche ökologisch wertvolle Gebiete und eignen sich deshalb hervorragend als Vernetzungsachsen.
Unter Stromtrassen im Wald wird aus Sicherheitsgründen in regelmässigen Abständen die Vegetation bodeneben zurückgeschnitten. In der sogenannten Niederhaltezone entsteht dadurch eine vergleichsweise homogene Strauchvegetation. Pro Natura Baselland hat in diesen anderweitig nicht nutzbaren Flächen ein ökologisches Aufwertungspotenzial erkannt.
In Zusammenarbeit mit den IWB werden ab 2021 in der Region Basel Projekte umgesetzt, die auf eine langfristige Erhaltung und Erhöhung der Biodiversität und der Lebensräume im Sinne eines ökologischen Stromtrassen-Managements abzielen.
Vision der Trassenansicht
Gestufte und buchtig gegliederte Waldränder schaffen einen harmonischen Übergang zwischen den Niederhaltezonen unter den Freileitungen und dem angrenzenden Wald.
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Thomas Fabbro
Aufwertungsprojekte
Im Sommer 2021 wurde die ganze Strecke begangen, um den ökologischen Wert und das Potential der einzelnen Abschnitte systematisch zu erfassen. Bewertet wurden sowohl die Flächen direkt unter den Leitungen als auch jene im Bereich der Masten. Auf dieser Grundlage werden die Aufwertungsmassnahmen geplant und etappenweise umgesetzt.
Aufwertungsprojekte entlang der Strecke
Entlang des idyllischen Rieselbächleins wurde ein mit vielen Sträuchern durchsetzter breiter Krautsaum eingerichtet. Dieser bietet vielfältige Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten und zeigt exemplarisch das Potenzial ökologischer Aufwertungen entlang von Stromtrassen.
Zwischen dem Bergfeld und der Schützenebnet wurde ein rund 350 Meter langer Waldabschnitt zu einem arten- und strukturreichen Lebensraum aufgewertet. Das Gebiet zeichnet sich durch ein äusserst kleinräumiges Mosaik aus trockenen und feuchten Abschnitten aus.
Im Zentrum der Massnahmen steht der mähbare Krautstreifen direkt unter den Leitungen. Der Krautstreifen wird auf einer Seite durch einen buchtigen und gestuften Waldrand und auf der anderen Seite durch lichten Föhrenwald begrenzt.
Die Umsetzungen sind im Februar 2022 gestartet und weitgehend abgeschlossen. In den kommenden 5 Jahren werden zusätzliche Kleinstrukturen geschaffen. Während dieser Phase erfolgt ein intensiver Unterhalt, bevor die Pflege in einen langfristigen, schonenden Betrieb übergeht.
Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung von
- dem Swisslos-Fonds Solothurn,
- der Walder-Bachmann Stiftung,
- der Sophie und Karl Binding-Stiftung,
- der Stiftung Spitzenflühli und
- der IWB Projektförderung.
Am kühlen, schattigen Nordhang des Blauens wird ein rund 550 Meter langer Leitungsabschnitt im Wald ökologisch aufgewertet. Das Gebiet liegt auf über 700 m.ü.M. und ist geprägt durch feuchte Böden und eine nordexponierte Lage.
Im Krautstreifen unter den Leitungen und in umliegenden Buchten entlang der Bergmatten wurden gezielt Weichholzarten wie Zitterpappeln und Weiden gefördert. Diese dienen zahlreichen Insektenarten als wichtige Nahrungspflanzen, insbesondere dem Grossen Eisvogel.
Der Ersteingriff begann im Dezember 2022 und wurde 2023 abgeschlossen.
Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung von
- dem Swisslos-Fonds Solothurn,
- der Walder-Bachmann Stiftung,
- der Sophie und Karl Binding-Stiftung,
- der Stiftung Temperatio,
- der Ernst Göhner Stiftung,
- dem Kanton Solothurn, Abteilung Wald, Waldbiodiversität und
- der IWB Projektförderung.
Über zwei steile Hügelketten konnte ein abwechslungsreicher Vernetzungskorridor geschaffen werden, in dem sich sonnige und schattige Abschnitte abwechseln. Die Kuppen «Churze Birgel» und «In den Reben» prägen das Gebiet.
Beidseits des Projektperimeters befinden sich Vorkommen seltener Reptilienarten, deren Lebensräume bereits aufgewertet und als Schutzgebiete ausgeschieden wurden. Die ökologische Aufwertung unter der Stromtrasse verbindet diese Teilpopulationen und ermöglicht den genetischen Austausch. Gleichzeitig entsteht ein wertvoller Lebensraum für seltene Reptilienarten, Kleinsäugetiere sowie für verschiedene Vogel- und Insektenarten.
Ein durchgehender Krautstreifen in der Niederhaltungszone bildet die Vernetzung. Ergänzend werden Kleinstrukturen wie Asthaufen und Weiher angelegt. Letztere entstanden im Rahmen des Projekts «Klassenweiher».
Der Ersteingriff erfolgte 2024.
Ermöglicht wird dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung von
- dem Swisslos-Fonds Solothurn
- den BKW Ökofonds,
- dem Kanton Solothurn, Abteilung Wald, Waldbiodiversität und
- der IWB Projektförderung.
Vom Hofstetter Spitz bis zur Bergmatte in Dittingen konnte ein blütenreicher Korridor über den Blauenkamm geschaffen werden. Die Leitung verbindet magere, trockene Flächen unterhalb des Hofstetter Spitz mit der ehemals offenen Feuchtwiese der Fluematt.
Auf der feuchten Fläche blühen das ganze Jahr über verschiedene Hochstauden, die über das ganze Jahr hinweg reichlich Nektar bieten und so einen wichtigen Vernetzungskorridor für Wildbienen und andere Bestäuber darstellen. Durch den Bau mehrerer Weiher wird zudem die Vernetzung der gefährdeten Geburtshelferkröte am Blauen Südhand entscheidend gestärkt.
Der Ersteingriff erfolgte 2025.
Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch
- die Walder-Bachmann Stiftung,
- den Swisslos-Fonds Baselland,
- den Fonds Landschaft Schweiz,
- die Stiftung Temperatio,
- den Swisslos-Fonds Solothurn
- die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
- die Stiftung Corymbo und
- die Stotzer-Kästli-Stiftung.
Der steil gelegene, nordexponierte Wald am Schattberg zeichnet sich durch seine feuchten und kühlen Stellen aus. Mit buchtig gegliederten Waldrändern, lichten Waldpartien und offenen Krautstreifen entsteht ein strukturreicher Lebensraum für Arten, die kühlere Bedingungen bevorzugen, darunter seltene Insekten- und Vogelarten, wie zum Beispiel für den in der Region seltenen Trauermantel.
Der Ersteingriff erfolgte 2025.
Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch
- die Walder-Bachmann Stiftung,
- den Swisslos-Fonds Baselland,
- den Fonds Landschaft Schweiz,
- die Stiftung Temperatio,
- den Swisslos-Fonds Solothurn
- die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
- die Stiftung Corymbo und
- die Stotzer-Kästli-Stiftung.
Der zwischen zwei Amphibienlaichgebieten liegende Abschnitt eignet sich hervorragend als Vernetzungskorridor für den Glögglifrosch und weitere Amphibienarten. Die zwei neu angelegten Weiher werden einen wichtigen Beitrag zur ökologischen Vernetzung leisten. Zudem werden der Waldrand und eine angrenzende Hecke ökologisch aufgewertet.
Der Ersteingriff erfolgte 2025.
Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch
- die Walder-Bachmann Stiftung,
- den Swisslos-Fonds Baselland,
- den Fonds Landschaft Schweiz,
- die Stiftung Temperatio,
- den Swisslos-Fonds Solothurn
- die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
- die Stiftung Corymbo und
- die Stotzer-Kästli-Stiftung.
m Frohnacker wurde ein kurzer Waldabschnitt mit feuchtem Standort und Quelle aufgewertet. Oberhalb entsteht ein zusätzlicher, regenwassergespeister Weiher. Die Waldränder wurden gebuchtet und stufig ausgebildet und bieten nun ideale Bedingungen für Libellen und weitere feuchtigkeitsliebende Arten.
Der Ersteingriff erfolgte 2025.
Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch
- die Walder-Bachmann Stiftung,
- den Swisslos-Fonds Baselland,
- den Fonds Landschaft Schweiz,
- die Stiftung Temperatio,
- den Swisslos-Fonds Solothurn
- die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
- die Stiftung Corymbo und
- die Stotzer-Kästli-Stiftung.
Gebüschfluren, strukturreiche Waldränder, offene Flächen und lichter Wald sind im Bielgraben auf kleinstem Raum vereint. Der strukturreiche Lebensraum bietet anspruchsvollen Arten wie dem Neuntöter ideale Bedingungen. Zusätzlich soll ein Weiher zur weiteren Vernetzung von Amphibien entstehen.
Bereits seit März 2020 wertet das Forstrevier Angenstein den Waldrand unterhalb der Hochspannungsleitung auf. Es entstand eine artenreiche Vegetation aus wertvollen Straucharten wie Schwarzdorn, Kreuzdorn, Weissdorn und Gemeinem Schneeball sowie einer vielfältigen Krautschicht.
Der Ersteingriff erfolgte 2025.
Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch
- die Walder-Bachmann Stiftung,
- den Swisslos-Fonds Baselland,
- den Fonds Landschaft Schweiz,
- die Stiftung Temperatio,
- den Swisslos-Fonds Solothurn
- die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
- die Stiftung Corymbo und
- die Stotzer-Kästli-Stiftung.
Am nordexponierten Waldrand entstehen neue Buchten, und Weichholzarten wie Pappeln und Weiden werden gezielt gefördert. Davon profitieren unter anderem der im Gebiet vorkommende, seltene Espen-Gabelschwanz.
Der Ersteingriff erfolgte 2025.
Ermöglicht wurde dieses Projekt durch die grosszügige finanzielle Unterstützung durch
- die Walder-Bachmann Stiftung,
- den Swisslos-Fonds Baselland,
- den Fonds Landschaft Schweiz,
- die Stiftung Temperatio,
- den Swisslos-Fonds Solothurn
- die Dr. Berthold Suhner Stiftung,
- die Stiftung Corymbo und
- die Stotzer-Kästli-Stiftung.