Tagfalterschutz Baselland
Mit verschiedenen Artenförderungs- und Lebensraumaufwertungsprojekten fördern wir gefährdete Tagfalter und Widderchen sowie Gebiete mit hohen Artenvielfalt in den Kantonen Basel-Landschaft und Kanton Solothurn. Als Grundlage für zielgerichtete Fördermassnahmen untersuchen wir die Ökologie und die regionalen Bedürfnisse verschiedener Arten.
Wir unterstützen die Fachstelle Natur und Landschaft des Kantons Basel-Landschaft bei ihren Verpflichtungen zur Förderung der Biodiversität und der national prioritären Arten. Weitere Massnahmen werden durch Stiftungen finanziert und gemeinsam mit Partnern aus Forst, Landwirtschaft und Naturschutz umgesetzt.
Der Schwerpunkt der Lebensraumaufwertungen liegt im Laufental (z. B. Blauenweide, Liesberg, Kleinlützel) und im Oberbaselbiet (z. B. Lauwil, Waldenburg und Eptingen).
Wichtige geförderte Schmetterlingsarten
Zu den wichtigsten geförderten Schmetterlings-Arten gehören:
Bergkronwicken- und Bibernell-Widderchen (Zygaena fausta und Z. minos)
Flockenblumen- und Skabiosen-Grünwidderchen (Jordanita globulariae und J. notata)
Gelbringfalter (Lopinga achine)
Grosser Eisvogel (Limenitis populi)
Kreuzenzian-Ameisenbläuling (Phengaris alcon rebeli)
Rostbraunes Wiesenvögelchen (Coenonympha glycerion)
Wegerich-Scheckenfalter (Melitaea cinxia)
Der Schwerpunkt der Massnahmen liegt im Offenland, wo die optimale Weide- und Wiesennutzung ein grosses und anspruchsvolles Thema ist. Im Wald engagieren wir uns für lichte Baumbestände, für mehr Vorkommen von Weichhölzern sowie für tagfalterfreundliche Waldränder. Wir konzentrieren uns ganz auf den Lebensraumschutz und sind sehr zurückhaltend, was die Wiederansiedlung von Tagfaltern betrifft.
Aktuelles von Tagfalterschutz Baselland
Am Nordhang des Blauen bei Hofstetten-Flüh SO wurden an den Waldrändern und im Bereich einer Leitungsschneise zur Förderung des Grossen Eisvogels und anderer seltener Insektenarten gezielt Espen und Salweiden gefördert. Initiiert und aufgegleist wurden die Aufwertungen durch Tagfalterschutz BL. Die Detailplanung und Durchführung der Eingriffe erfolgte dann durch die «Forstbetriebsgemeinschaft (FBG) am Blauen» unter Christoph Sütterlin.
Die Umsetzung ist ein Erfolg: Die neuen Lebensräume werten die gesamte Landschaftskammer auf. Bei einer Erfolgskontrolle im Sommer 2025 konnte eine Raupe des Espen-Gabelschwanzes nachgewiesen werden. Der Fund dieser seltenen und schweizweit gefährdeten Art unterstreicht die Bedeutung der Massnahmen für an Weichhölzer gebundene Insekten.
Im Rahmen der Jahresexkursion 2025 der Arbeitsgruppe haben wir überraschend ein bisher unbekanntes Vorkommen des Argusbläulings auf einer nordexponierten Magerweide bei Gänsbrunnen entdeckt – der letzte Nachweis dieser Art im Kanton Solothurn liegt über 100 Jahre zurück!
Auch auf Baselbieter Boden wurde bei Langenbruck (Schöntahl) in den letzten Jahren ein Vorkommen dieser Art dokumentiert. Der Argusbläuling ist auf eine gute Lebensraumpflege angewiesen; Tagfalterschutz BL wird der Naturschutzfachstelle des Kantons Solothurn entsprechende Vorschläge machen.
Die Aufwertung der Dorfholle in Kleinlützel ist ein langjähriger Wunsch von Tagfalterschutz BL. Das Felsgebiet ist einer der wichtigsten Lebensräume des Walliser Waldportiers in der Region und war zunehmend zugewachsen.
2022 wurde das Gebiet direkt oberhalb des alten Dorfkerns im Rahmen eines Projekts des örtlichen Forstreviers unter der Leitung von Gerhard Walser grossflächig aufgewertet. Die Arbeiten konnten optimal mit Massnahmen gegen den drohenden Steinschlag verknüpft werden.
Der Lebensraum des Walliser Waldportiers sowie von weiterer seltener Schmetterlingen wie des Grossen Braunwidderchens und gefährdeter Pflanzen wie des Berg-Fenchels konnte dadurch bedeutend erweitert werden. Tagfalterschutz BL hat Gerhard Walser bei fachlichen Fragen unterstützt.
Die Projektmassnahmen umfassen eine markante Reduktion des Baumbestands, das Entbuschen grasiger Flächen, die Förderung von Schlehen sowie die Einführung einer Ziegenbeweidung. Die Eingriffe in den Baumbestand und die Nachpflegearbeiten sind bereits erfolgt; die Beweidung ist in Planung.
Im Rahmen eines Experiments haben wir im Laufental Massnahmen zur Förderung des Flockenblumen- und Skabiosen-Grünwidderchens durchgeführt. In Anlehnung an eine in Deutschland entwickelte Methode lichteten wir verschiedene Waldbereiche angrenzend an bekannten Widderchen-Vorkommen im Offenland auf, schuffen offene Bodenstellen und förderten die als Raupennahrungspflanzen dienenden Flockenblumen durch Ansaat.
Auf diese Weise entstanden neue potenzielle Lebensräume. Da diese halbschattig im Wald liegen, können sie für die Grünwidderchen insbesondere in Zeiten des Klimawandels eine wichtige Ergänzung sein. Die Massnahmen wurden bereits umgesetzt, eine Besiedelung durch die Grünwidderchen konnte aber noch nicht dokumentiert werden.
In einer zweiten Projektphase soll das Experiment in den kommenden Jahren leicht angepasst fortgeführt werden. Die Massnahmen sowie die fachliche Begleitung durch Tagfalterschutz BL werden vom «Verein Artenförderung Schweiz» finanziert.
Wir erarbeiten fachliche Grundlagen für die Förderung diverser seltener Schmetterlingsarten im Kanton Solothurn. Im Auftrag der Naturschutzfachstelle des Kantons Solothurn und zusammen mit Pro Natura Solothurn kartieren wir Vorkommen und Lebensräume unter anderem des Bibernell-Widderchens, des Kaiserbärs (ein seltener Nachtfalter) sowie des Flockenblumen- und Skabiosen-Grünwidderchens.
Die Ergebnisse zeigen, dass der Kanton Solothurn noch sehr wertvolle Vorkommen dieser Arten beherbergt. Wir zeigen auf, wie diese durch verbesserte Weidpflege und weitere gezielte Massnahmen erhalten und gefördert werden können.
Die Problematik der mit Adlerfarn zuwachsenden Weiden beschäftigt Tagfalterschutz BL schon lange. Je nach Situation können unterschiedliche Bekämpfungsmassnahmen zum Einsatz kommen. Auf Initiative der kantonalen Naturschutzfachstelle wurden nun erstmals dichte, klar abgegrenzte Bestände des Adlerfarns auf der Blauenweide versuchsweise mit Hilfe eines Pneubaggers durch das Abziehen des Oberbodens eliminiert.
Tagfalterschutz BL begleitet den Versuch wissenschaftlich. Das Fazit der Nachkontrollen war positiv: Die grossen Bestände konnten erfolgreich entfernt werden. Um die noch verbliebenen Reste zu beseitigen, ist in den nächsten Jahren aber eine konsequente Nachpflege nötig.
In der Nordwestschweiz haben wir in den vergangenen Jahren mit kantonsübergreifenden Massnahmen in den Erhalt der letzten verbliebenen Vorkommen des Kreuzenzians und des darauf abhängigen Kreuzenzian-Ameisenbläuling investiert. Zentrale ökologische Fragen konnten wir 2025 in Zusammenarbeit mit der ZHAW und der Universität Neuenburg klären.
Trotz Anpassungen am Weidemanagement, Ex-Situ-Vermehrung und Auspflanzung von Kreuzenzianen und Schutz vor dem Verbiss durch Weidetiere brechen die meisten Bestände des Ameisenbläulings ein und auch die Enziane nehmen ab. Die klimatischen Veränderungen, insbesondere die zunehmenden Dürreperioden, scheinen sich negativ auf beide Arten auszuwirken. Es ist daher zunehmend die Frage, ob der Kreuzenzian-Ameisenbläuling in der Nordwestschweiz auch in Zukunft überleben kann.
Unsere Arbeiten wurden in den letzten Jahren namhaft durch das Widderchen-Projekt des «Verein Artenförderung Schweiz» sowie durch die Fondation de bienfaisance Jeanne Lovioz unterstützt.
Im Gebiet Ritteberghollen in Dittingen wurde eine halbe Hektare verwaldeter ehemaliger Magerweiden wieder aufgelichtet und in eine Waldweide überführt. Die Massnahmen erfolgten im Rahmen eines Orchideenprojekts des Verein Hot Spots und in enger Zusammenarbeit mit dem zuständigen Revierförster sowie der Naturschutzfachstelle des Kantons.
Die entstandene mageren Weide braucht noch etwas Zeit für eine optimale Entwicklung, ist aber schon jetzt eine sehr wertvolle Ergänzung zu den das Dorf umgebenden Weiden. Sie entwickelt sich zunehmend zu einem bedeutenden Lebensraum für Tagfalter. Im Jahr 2025 konnte die Fläche erstmals wieder mit der Rinderherde der Dittinger Weide bestossen werden.
Auf der Rehhagweid in Langenbruck wurden in zwei Etappen umfangreiche Massnahmen zur ökologischen Aufwertung der Lebensräume und zur besseren Verzahnung von Wald und Offenland durchgeführt. Die Arbeiten wurden 2018 und 2021 vom Forstrevier Oberer Hauenstein (Simon Tschendlik) im Rahmen des Förderprogramms «Vernetzung von Offenland und Wald» der Walder-Bachmann Stiftung durchgeführt und von Tagfalterschutz BL fachlich begleitet.
Kernstück des Projekts ist die Aufwertung eines rund 800 m langen Waldrands am oberen Rand der Rehhagweid. Zusätzlich wurde eine verdunkelte Waldinsel aufgelichtet, ein Offenland-Korridor zu den Felsgebieten der Gerstelfluh geschlagen sowie die Strukturvielfalt der Magerweide mit Bäumen und Gebüschen erhöht.
Das Gebiet beherbergt das einzige Vorkommen des Bibernell-Widderchens im Kanton Basel-Landschaft, dass 2025 bestätigt werden konnte. Die Verzahnung von Wald und Offenland im Projektgebiet kann als Vorbild für andere ökologisch wertvolle Gebiete dienen.
In den letzten Jahren wurden im Baselbiet zahlreiche Waldränder ökologisch aufgewertet. Die Gehölzstrukturen bieten diversen Arten Schutz und Lebensraum. Damit Waldränder jedoch auf für Tagfalter und andere Insekten attraktiv sind, braucht es neben einer gut strukturierten Strauchschicht ebenso blütenreiche Krautsäume sowie Altgrasstreifen.
Die Arbeitsgruppe arbeitet darauf hin, dass insbesondere die Waldränder, die an die Tagfalter-Hotspots angrenzen, entsprechend gestaltet sind. Wie wir uns den idealen «Insekten-Waldrand» vorstellen, haben wir zeichnen lassen.
Die Pflege solcher «Insekten-Waldränder» ist aufwändiger als herkömmlicher Waldränder, weshalb noch viel Arbeit vor uns liegt. Dennoch konnte in den letzten Jahren in Zusammenarbeit mit verschiedenen Akteuren bereits mehrere Objekte aufgewertet werden, zum Beispiel in Bubendorf, Eptingen (Rehhag), Blauen und Liesberg.
Das Projekt «Gelbringfalter Jurabogen» hatte zum Ziel, den Gelbringfalter kantonsübergreifen in Kanton Bern (im Berner Jura), Kanton Solothurn (v.a. im Thal) und Kanton Basel-Landschaft zu fördern. Hierfür wurden Lebensräume und Ökologie der Art erforscht und die daraus abgeleiteten Massnahmen in Zusammenarbeit mit dem Forst umgesetzt.
Ein wichtiger Erfolg war, dass der Lebensraum der Raupe ermittelt werden konnte. Anders als der Falter, der sonnige Stellen im Wald braucht, fand sich die Raupe überraschenderweise ausschliesslich in schattigen bis höchstens halbschattigen Beständen von Seggenarten. Sie ernährt sich von deren Blättern. Im Projektgebiet kommt der Weisse Segge und der Berg-Segge die mit Abstand grösste Bedeutung zu.
Finanziert wurde das Projekt von Pro Natura Schweiz sowie den drei beteiligten Kantonen. Die Durchführung erfolgte gemeinsam mit mit Christoph Forrer (Projektinitiant) und Emmanuel Wermeille. Die gewonnenen Erkenntnisse aus dem Projekt bilden eine wichtige Grundlage für den zukünftigen Schutz dieses wärmeliebenden Waldschmetterlings.
Im Kanton Basel-Landschaft konnten lediglich zwei kleine Vorkommen festgestellt werden, nämlich in Lauwil und Waldburg. Im Gebiet «Holznach» bei Waldenburg werden seither punktuell stützende Eingriffe in den Baumbestand vorgenommen.
Das Bergkronwicken-Widderchen ist seit der Gründung von Tagfalterschutz BL eine wichtige Zielart. Seit 2016 fördern wir diese charismatische Art am Gustberg in Mümliswil-Ramiswil (Kanton Solothurn).
Dank der von der Naturschutzfachstelle des Kantons Solothurn in Auftrag gegebener Waldauflichtungen auf einer halben Hektare konnte ein Mosaik wertvoller Lebensraumelemente geschaffen und die Bergkronwicke gezielt gefördert werden. Hierdurch wurde der Lebensraum des Widderchens bedeutend erweitert.
Bei einer Kontrolle der 2018 gepflanzten Kronwicken konnten mehrere Raupen festgestellt werden, was die Wirksamkeit des Eingriffs bestätigte. Aktuell erfolgen im Rahmen des Aufwertungsprojekts «Wasserfallen» weitere Massnahmen, um die Art auch auf Baselbieter Boden zu fördern.
Organisation und Finanzierung
Tagfalterschutz Baselland ist eine ehrenamtlich arbeitende Arbeitsgruppe von Pro Natura Baselland. Folgende Organisationen haben unsere Arbeit finanziell unterstützt:
Fondation de bienfaisance Jeanne Lovioz: Förderung Kreuzenzian-Ameisenbläuling und weitere, nicht projektgebundene Beiträge.
Kanton Baselland, Abteilung Natur und Landschaft:
Faunistische und ökologische Abklärungen für prioritäre Arten (NPA, UZL).
Beratung für den tagfalterfreundlichen Unterhalt von Naturschutz- und BFF-Flächen.
Erfolgskontrolle Adlerfarn-Bekämpfung Blauen (2020-22).
Sommervogel-Plakate für die Baselbieter Waldtage (2019). Aufbau eines Frühschnittversuchs der Naturschutzfachstelle in Rothenfluh (2018).
Kanton Solothurn, Amt für Raumplanung, Natur und Landschaft:
Grundlagen für die Tagfalterförderung; 6 ausgewählte Tag- / Nachtfalterarten (seit 2021)
Massnahmen zugunsten Bergkronwicken-Widderchens Mümliswil-Ramiswil (Gustberg)
Projekt Weichholzförderung Blauen-Nordhang
Lotteriefonds Basel-Landschaft: Förderung der Projektphase 2007-2013
Pro Natura Schweiz: Förderung der Projektphase 2007-2013.
Verein Artenförderung Schweiz: Förderung Kreuzenzian-Ameisenbläuling und Grünwidderchen.
Walder-Bachmann-Stiftung: Schaffen eines Wald-Offenland-Mosaiks im Gebiet Rehhag in enger Zusammenarbeit mit den Forstbetrieben Frenkentäler.
Die Arbeitsgruppe Tagfalterschutz BL erforscht und schützt seit über 20 Jahren die Tagfaltervielfalt im Kanton Baselland.
Weiterführende Informationen
Info
Für Anfragen und Kontakt melden Sie sich direkt bei Pro Natura Baselland.